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Zielsetzung
Die Verelendung in den indischen Millionenstädten mit den vielen Slums und den
auf den Straßen dahinvegetierenden Menschen, vor allem auch das hoffnungslose
Schicksal der Straßenkinder hat mich veranlasst, bereits auf dem Lande etwas
gegen die unbeschreibliche Not zu unternehmen, um Menschen davor zu bewahren, in
ihrer trügerischen Hoffnung auf ein besseres Leben in die Großstädte abzuwandern
und die dortigen Slums zu vergrößern. Kinder auf dem Lande im südindischen Staat
Tamil Nadu sollen aus der Kinderarbeit befreit die Geborgenheit und den Schutz
eines Familienlebens erfahren, eine Schul- und Berufsausbildung erhalten und
sich auf eine bessere, menschenwürdige Zukunft vorbereiten. Dazu dient die
Gründung von Anbaham-Kinderdörfern (Anbaham= Heim der Liebe).
Idee und Entstehung
Während einer Indienreise vor etwa 17 Jahren erlebte der Kasseler Pfarrer Albert Diedrich die Not und Armut der indischen Bevölkerung hautnah. Vor allem das Elend der Straßenkinder berührte ihn und ließ ihm keine Ruhe. Nach Deutschland zurückgekehrt, faßte er den Entschluß, ein Kinderdorf, nach dem Vorbild der SOS-Kinderdörfer, zu gründen. Ansprechpartner in Indien waren bald gefunden und auch in Nordhessen hatte sich auf Diedrich’s Initiative hin ein unterstützender Freundeskreis gebildet. Dies war die Geburtsstunde des ‚Freundeskreis des indischen Kinderdorfes St. Boniface Anbaham
e.V.‘.
Der Traum wurde zur Realität, als Pfr. Albert Diedrich im November 1986 den Grundstein legte für das Kinderdorf Zionpuram, in der Nähe der Stadt Nagercoil, im Staat Tamil Nadu, Indien. Dies war das Samenkorn zu einem Projekt, das unter dem Namen ‚Saint Boniface Anbaham‘ vielfache Frucht getragen hat.
Die Planung und Ausführung
Es wurde festgelegt, daß grundsätzlich nur dann ein Kind in das Dorf aufgenommen wird, wenn durch eine
Patenschaft mit einer monatlichen Zahlung von EUR 31,- die tägliche Versorgung des Kindes sichergestellt ist – das System hat sich bewährt.
Die Fürsorge für diese Kinder aus den ärmsten familiären Situationen , die in einem Lebensalter von 5 bis ca. 18 Jahre im Dorf leben, sichert ihnen eine stabile Basis für ihr eigenes, menschenwürdiges Leben.
Anfang der 90er Jahre wurde das erste Kinderdorf ‚St. Boniface Anbaham in Zionpuram‘
fertiggestellt und bietet seither über 200 Jungen und Mädchen eine Heimat.
Im Laufe der Jahre wurde eine Klinik und Ausbildungswerkstatt errichtet und in der Nähe eine Farm angelegt und damit Hilfe zur Selbsthilfe gegeben.
Die strukturelle Entwicklung des Kinderdorfes wurde ermöglicht durch Spenden verschiedenster Art (vor allem private Spender, außerdem Zuwendungen durch den Paul
Dierichs-Preis, Lions Club, Spenden von Schulen, Jugendgruppen, Kirchen, Vereine) sowie durch staatliche Unterstützungen.
Als Nebeneffekt wurde eine nicht zu unterschätzende Verbesserung der Infrastruktur der
umliegenden Dörfer erreicht: Durch Arbeitsplatzbeschaffung, stationäre und ambulante Versorgung der
Bewohner, Einrichtung von Kindergärten, Ausbau von Schulen.
Beflügelt durch den Erfolg von ‚Zionpuram‘ wurde das zweite Dorf ‚Vadamelpakkam‘, ca. 45 km südwestlich von Madras ebenfalls im südlichen Staat Tamil Nadu geplant und in der erprobten Form aufgebaut und bewirtschaftet. Die Dorfstruktur - Krankenstation, Farm, Ausbildungswerkstätten - von ‚Vadamelpakkam‘ entspricht heute der des Dorfes `Zionpuram‘. Da auch hier das Dorf als
Arbeitgeber auftritt, wird die Situation der Menschen in dieser Region günstig beeinflußt.
Zur Zeit werden in beiden Dörfern 450 Mädchen und Jungen sowie etwa 100 Kinder in den
angegliederten Kindergärten auf dem Land durch „St. Boniface Anbaham, e.V.“ betreut und gefördert.
Die Jungen und Mädchen verlassen nach Abschluß einer handwerklichen Berufsausbildung das Dorf und haben dadurch ein reelle Chance, sich in den in Indien neu bildenden Mittelstand einzugliedern.
In der Vergangenheit wurde den besonderen Gegebenheiten der Mädchen in der indischen
Gesellschaft dadurch Rechnung getragen, daß sie eine ‚Daurie‘ (Mitgift) erhielten, die ihnen eine Heirat ermöglichte. Die jungen Männer wurden mit einem Kredit gefördert, um ein Geschäft, einen Hand-werksbetrieb o.ä. zu eröffnen. Bedauerlicherweise ist das in Zukunft nicht mehr möglich, da die
Währungsschwankungen eine erhebliche Geldeinbuße bedeuten.
Neue Pläne
In Tiruchirapalli, im Norden von Tamil Nadu, wurde ein Haus angemietet, in dem z.Zt. ca. 25 Mädchen ein zu Hause gefunden haben. Darüber hinaus wurde ein neues, ca. 6 ha großes Grundstück gekauft, auf dem Häuser für etwa 150 Kinder errichtet werden sollen. Die Infrastruktur wird in etwa die gleiche sein, wie in den zwei ‚alten‘ Dörfern Zionpuram und Vadamelpakkam.
Baubeginn war im August 2002, nachdem wir eine Förderung des deutschen Ministeriums für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Höhe von ca. 80 % der Baukosten bekommen hatten. Im Sommer 2003 werden wir sukzessive Kinder aus der ca. 300 Kinder umfassenden Warteliste
aufnehmen, entsprechend der Notlage und der neu eingehenden Patenschaften.
Das sollten Sie noch wissen
Alle in Deutschland tätigen Mitarbeiter des „Freundeskreis des indischen Kinderdorfes St. Boniface Anbaham
e.V.“
arbeiten ehrenamtlich, das bedeutet, daß alle erforderlichen Ausgaben (Werbung, Postsendungen, Drucke,
Indienreisen, etc.) privat gedeckt werden.
Dies alles ist nur möglich durch das Spenden- und Patenschaften-Aufkommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Der Verein ist seit 1987 vom Finanzamt Kassel als
gemeinnützig anerkannt
und stellt selbstverständlich Spendenbescheinigungen aus.
Die Deutschsprachige Katholische Gemeinde New Delhi unterstützt das
Anbaham-Projekt ihres Seelsorgers durch gelegentliche Sonderkollekten, durch
Patenschaften von Gemeindemitgliedern mit einem Monatsbeitrag von 31,- EUR für
ein Kind, durch Gewinnen neuer Paten in Deutschland. Einige Gemeindemitglieder
haben auch das Hilfsprojekt schon besucht.
Die Deutsche Botschaft New Delhi hat in ihrem Monatsmagazin, das in einer
Auflage von 103.000 Exemplaren in englischer Sprache und in Hindi erscheint, das
Projekt vor allem der indischen Gesellschaft vorgestellt. Die Gemeindemitglieder werden durch tägliche Erfahrungen mit dem Elend großer
Bevölkerungsschichten hautnah konfrontiert, leiden darunter und fühlen sich
zunächst ohnmächtig. Es ist den meisten ein tiefes Bedürfnis, sinnvoll
helfen zu können. Zugleich ist ihnen bewusst, dass eine unmittelbare,
individuelle Hilfe auf der Straße keine Lösung der Probleme bringt, sondern im
Gegenteil die Gesamtsituation verschlechtern würde: Ausbeutung von Bettelkindern durch organisierte Banden; Verstümmelung von
Kleinkindern, um sie für das Betteln brauchbarer zu machen.
In den Kinderdörfern
arbeiten über 60 Frauen und Männer, ausschließlich Inder. Viele von ihnen
kommen ebenfalls aus ärmsten Verhältnissen, so dass das Anbaham-Projekt auch
ein wichtiger Arbeitgeber ist. Der Träger ist eine Society nach tamilischem
Recht. In Deutschland besteht zur finanziellen Unterstützung des Projektes der
gemeinnützige Verein "Freundeskreis des indischen Kinderdorfes St. Boniface Anbaham
e.V.". Der Verein arbeitet ausschließlich
ehrenamtlich, und zwar so, dass keinerlei Spendengelder in die Verwaltung fließen.
Erforderliche Verwaltungskosten in Deutschland tragen die Vorstandsmitglieder
aus eigenen Mitteln.
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