Interview auf HR1 "1 Jahr nach der Katastrophe"   -  Meldung vom 03. Januar 2006

ausgestrahlt am 20.12.05 vom HR 1. Das Interview kann hier als MP3 heruntergeladen werden. 

Anmod: Als der Tsunami in den Küstenregionen des Indischen Ozeans Tod und Zerstörung brachte, war auch die Südspitze von Indien betroffen. Das vorgelagerte Sri Lanka konnte der Flutwelle etwas von ihrer Wucht nehmen, stoppen ließen sich die entfesselten Wassermassen aber nicht. Indien hatte 10.000 Tote zu beklagen. Hunderttausende wurden obdachlos. In dieser Region liegen drei Kinderdörfer der Kasseler Hilfsorganisation „Saint Boniface Anbaham“. Für die Mitarbeiter der Kinderdörfer und die Helfer aus Kassel begann mit dem Tsunami eine neue Zeit. Einige von ihnen waren eben erst in Indien und sind mit vielen Eindrücken nach Hessen zurückgekehrt. Michael Przibilla (sprich Pschibilla) hat einen von ihnen besucht.

Ton 1: Musik

Peter Zimmermann ist erst seit wenigen Tagen wieder in Kassel. Gemeinsam mit anderen aus dem Freundeskreises von „Saint Boniface Anbaham“ hat er sich ein Bild davon gemacht, wie es jetzt in Indien aussieht, ein Jahr nach der verheerenden Flut.

Ton 2: Zimmermann, Das schlechte Beispiel

Aber Gott sei Dank war es nicht überall so. Peter Zimmermann hat auch anderes gesehen. Aber der indische Staat, das ist der Eindruck der Helfer aus Kassel, lies und lässt sich immer noch viel Zeit mit dem Wiederaufbau der zerstörten Dörfer. Dass seit der Katastrophe etwas passiert ist, liegt nicht zuletzt am Engagement privater Organisationen wie dem Freundeskreis „Saint Boniface Anbaham“. Anbaham bedeutet „Heim der Liebe“. Und „Saint Boniface“ steht für die katholische Kirchengemeinde Sankt Bonifatius in Kassel. In der hat vor 20 Jahren alles begonnen. In Indien wurden seitdem drei Kinderdörfer gegründet. Alle drei liegen an der Küste.

Ton 4: Glück gehabt

Betroffen waren die Kinder dennoch. Der Tsunami kam in den Ferien. Viele der gut 600 Mädchen und Jungen waren bei Angehörigen, direkt am Strand. Einige von ihnen wurden verletzt, fast jede Familie hatte Tote zu beklagen. 20 Kinder sind seit der Katastrophe verschwunden. - Mit dem Tsunami wurden die Kinderdörfer in der Katastrophenregion zu Versorgungszentren.

Ton 5: Erste Hilfe

In einer Schule haben die Mitarbeiter der Kinderdörfer eine Notunterkunft organisiert. 2000 Menschen wurden dort zwei Wochen lang mit Nahrung, Decken und Kleidung versorgt. Erst dann kam Hilfe von außen. Währenddessen aktivierte der Freundeskreis von Kassel aus die finanzielle Unterstützung für Tsunami-Opfer in der Region.

Ton 6: Dafür gabs Geld

25 Boote wurden angeschafft, dazu 100 Netze. Außerdem konnten vier Häuser durch das über Kassel organisierte Geld finanziert werden. Die Spendenbereitschaft war enorm, schildert Peter Zimmermann. Dem Freundeskreis „Saint Boniface Anbaham“ kam zu Gute, dass er garantieren konnte, dass jeder Cent die Tsunami-Opfer erreicht.

Ton 7: Jetzt

Derzeit wird noch am letzen Haus gebaut. Danach beginnt auch für die Kinderdörfer und ihren Kasseler Freundeskreis – das ist die Hoffnung - langsam wieder der Alltag.